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Eine nach Ansicht der Wissenschaftler sehr anfällige Komponente des globalen Klimasystems ist die Region im Nordatlantik, wo der warme Golfstrom auf die eisigen Winde trifft, die von der Arktis und Grönland herüber wehen. Beim Aufeinandertreffen der beiden gibt der Golfstrom Wärmeenergie an die Luft ab, die von den vorherrschenden Winden und durch die Erdrotation nach Osten Richtung Westeuropa transportiert wird.
Praktisch alle grossen Meeresströmungen sind wie ein Möbiusband in einer weltweiten Zirkulation verbunden, die als „globales Förderband“ bezeichnet wird. Die rot markierten Teile des grossen Förderbands in den Ozeanen repräsentieren warme Oberflächenströmungen, deren bekanntester Vertreter der Golfstrom ist, der entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten durch den Nordatlantik bis ins Nordpolarmeer fliesst. Die blauen Pfeile stehen für die in entgegengesetzter Richtung verlaufenden tiefen Kaltwasserströmungen.
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Der dort stattfindende gewaltige Absinkvorgang wird von Wissenschaftlern als gigantische Pumpe bezeichnet, genauer gesagt als „thermohaline Pumpe“, weil er sowohl von der Temperatur (thermo) als auch der Salinität (haline: Salzgehalt) des Wassers angetrieben wird. Diese Pumpe ist von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung der globalen Meeresströmungen.
Vor rund 10 000 Jahren passierte etwas, von dem die Wissenschaftler fürchten, dass es heute erneut passieren könnte. Beim Abschmelzen der letzten Gletscher Nordamerikas gegen Ende der letzten Eiszeit bildete sich ein gigantischer Süsswassersee. Die heutigen Grossen Seen sind die letzten Überreste dieses gewaltigen Sees, der sich westlich hinter einem enormen Eiswall aufstaute.
Irgendwann brach dieser Damm, und das Wasser strömte nach Osten. Die ungeheuren Süsswassermassen formten das Bett des heutigen Sankt-Lorenz-Stroms, ergossen sich in den Nordatlantik und brachten die thermohaline Pumpe zum Stillstand. Damit brach der Golfstrom ab, und Europa wurde von der Wärme, die der Golfstrom transportiert hatte, abgeschnitten.
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Die Unterbrechung des Golfstroms versetzte Europa nicht nur für weitere 900 bis 1000 Jahre zurück in eine Eiszeit, der Übergang vollzog sich auch vergleichsweise schnell.
Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich dieses Phänomen jederzeit wiederholen könnte. Dr. Ruth Curry vom Woods Hole Research Center in Massachusetts ist besonders besorgt über das rasche Abschmelzen der Eismassen Grönlands, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Meeresgebiet liegt, in dem der Golfstrom in die Tiefe stürzt.
„Angesichts der Möglichkeit solch extremer Ereignisse“, hat die Wissenschaftlerin unlängst gesagt, „können wir nicht ausschliessen, dass das marine Förderband im Nordatlantik in Folge des Treibhauseffekts zum Stillstand kommt.“
Die vom Golfstrom nach Europa transportierte Wärme ist der Grund dafür, warum in Städten wie Paris und London ein viel milderes Klima herrscht als in ungefähr auf gleicher Höhe liegenden nordamerikanischen Städten wie Montreal und Fargo, Montana. Auch Madrid ist viel wärmer als New York, obwohl die beiden Städte auf demselben Breitengrad liegen.
Das Wasser, das nach der Verdunstung des warmen Wassers im Nordatlantik übrig bleibt, ist nicht nur kälter, sondern – weil das im Wasser enthaltene Salz nicht verdunstet und sich anreichert – auch viel salzhaltiger. Dieses kältere und salzhaltigere und damit schwerere Wasser sinkt mit unfassbaren 22 Milliarden Litern pro Sekunde auf den Meeresboden hinab und setzt die nach Süden fliessende Kaltwasserströmung in Gang.