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Zehn besonders verbreitete Irrtümer über die Klimaerwärmung

Irrtum 1

„Die Wissenschaftler sind sich uneins darüber, ob der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist.“

In Wahrheit besteht ein klarer wissenschaftlicher Konsens darüber, dass der Mensch mit seinen Aktivitäten für den Klimawandel auf der Erde verantwortlich ist. Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler stimmt darin überein, dass die Erde wärmer wird, dass dieser Trend vom Menschen verursacht wird und dass die Folgen, wenn wir weiter Treibhausgase in die Atmosphäre pumpen, immer gravierender sein werden.

Irrtum 2

„Viele Faktoren können das Klima beeinflussen – also besteht kein Grund, warum wir uns speziell über die CO2-Emissionen den Kopf zerbrechen sollten.“

Natürlich wird das Klima nicht nur vom Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre, sondern auch von zahlreichen weiteren Faktoren beeinflusst – Sonnenflecken beispielsweise oder dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Doch das bedeutet nur, dass wir uns umso mehr Sorgen über CO2 und andere vom Menschen erzeugte Treibhausgase machen müssen. Der Umstand, dass das Klimasystem historisch gesehen immer wieder natürlichen Schwankungen unterworfen war, sollte uns als Warnung dienen: Wir müssen den von uns verursachten massiven und beispiellosen Klimaänderungen grösste Aufmerksamkeit widmen. Der Mensch ist mächtiger geworden als jede natürliche Kraft.

Irrtum 3

„Das Klima hat sich seit jeher verändert. Was wir jetzt erleben, ist nur Teil eines natürlichen Zyklus.“

Durch die Untersuchung von Baumringen, Sedimentablagerungen, Eiskernen und anderen natürlichen Merkmalen, die Auskunft über das Klima in der Vergangenheit geben, wissen wir, dass sich das Erdklima im Laufe der gesamten Geschichte immer wieder und zum Teil auch sehr plötzlich verändert hat. Doch diese Veränderungen fanden ausnahmslos vor dem Hintergrund natürlicher Variationen der CO2-Konzentration statt, die weitaus geringer waren als das, was der Mensch heute verursacht. Eisproben aus den Tiefen der antarktischen Eiskappe belegen, dass die Kohlendioxidwerte in der Luft heute höher sind, als sie das jemals in den letzten 650 000 Jahren waren. Mehr CO2 in der Atmosphäre bedeutet höhere Temperaturen.

Irrtum 4

„Die globale Klimaerwärmung wird durch das Ozonloch verursacht.“

In der Tat besteht ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Ozonloch, aber das ist nicht entscheidend. Das Loch in der Ozonschicht hat der Mensch durch die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen verursacht, deren Verwendung 1987 durch das so genannte Montreal-Protokoll untersagt wurde. Wegen der dünneren Ozonschicht erreicht zwar mehr UV-Strahlung die Oberfläche der Erde, aber auf die Temperaturen hat dies keine Auswirkung.

Die einzige Beziehung zwischen Ozonloch und Klimawandel verläuft fast exakt andersherum wie im oben zitierten Mythos unterstellt. Der globale Temperaturanstieg ist zwar nicht für das Ozonloch verantwortlich, könnte aber die natürliche Wiederherstellung der Ozonschicht verlangsamen. Die Klimaerwärmung heizt die unteren Schichten der Atmosphäre auf, kühlt die Stratosphäre aber ab und beschleunigt dadurch den Ozonabbau in der Stratosphäre.

Irrtum 5

„Wir können nichts mehr gegen die Klimaerwärmung unternehmen. Es ist bereits zu spät.“

Der Schwerste aller Irrtümer. Getreu der Devise: „Wenn Verdrängen nicht mehr hilft, verzweifeln wir eben.“ Es gibt vieles, was wir tun können – aber wir müssen endlich damit anfangen. Wir dürfen die Ursachen und Folgen des Klimawandels nicht länger ignorieren. Wir müssen unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vermindern, und das setzt eine Kombination aus staatlichen Initiativen, Innovationen seitens der Industrie und individuellen Aktionen voraus. Dieser Ressourcenführer liefert euch zahlreiche Anregungen dafür, was ihr selbst tun könnt.

Irrtum 6

„Die Eiskappe in der Antarktis wächst. Das Abschmelzen der Gletscher und des Treibeises ist also nicht Folge der Klimaerwärmung.“

In manchen Teilen der Antarktis mag die Eiskappe wachsen – aber in anderen Regionen des Kontinents schmilzt sie nachweislich ab, und laut einer Studie von 2006 befindet sich die antarktische Eisdecke insgesamt auf dem Rückzug. Dass manche Gletscher wachsen und nicht schrumpfen, ändert nichts daran, dass die Klimaerwärmung rund um die Welt Gletscher und Meereisflächen zum Schmelzen bringt. Über 85 % aller Gletscher der Erde sind im Rückgang begriffen. Abgesehen davon sind lokale Abweichungen keine Gegenbeweise für die von Wissenschaftlern festgestellten globalen Trends.

Manche Leute (beispielsweise in Michael Crichtons Roman Welt in Angst) vertreten die irrige Ansicht, die grönländische Eiskappe würde wachsen. In Wahrheit belegen neuere Satellitenaufnahmen der NASA, dass die Eisdecke über Grönland Jahr für Jahr dünner wird und dieses Abschmelzen den Meeresspiegel ansteigen lässt. Zwischen 1996 und 2005 hat sich die Verlustrate verdoppelt und allein 2005 hat Grönland über 50 Kubikkilometer Eis verloren.

Irrtum 7

„Die globale Klimaerwärmung ist gut, weil sie uns harte Winter erspart und Pflanzen schneller wachsen lässt.“

Dieser Mythos hält sich besonders hartnäckig. Da die Auswirkungen von Ort zu Ort variieren werden, könnte es durchaus sein, dass manche Regionen mildere Winter erleben. Unter dem Strich aber übertreffen die negativen Folgen der Klimaerwärmung bei weitem alle denkbaren lokalen Verbesserungen. Nehmen wir nur die Weltmeere. Der globale Temperaturanstieg hat bereits jetzt zu einem grossflächigen Absterben von Korallenriffen geführt, die eine zentrale Rolle als Brutzonen für zahllose Meereslebewesen und für die gesamte maritime Nahrungskette bis hinauf zum Menschen spielen. Das Abschmelzen der polaren Eismassen führt zum Anstieg des Meeresspiegels, und sollten die grossen Eiskappen ganz abschmelzen, werden überall auf der Welt Küstenstädte überschwemmt und viele Millionen Menschen zur Flucht gezwungen werden. Und das sind nur ein paar der drohenden Konsequenzen des Klimawandels. Zu den weiteren prognostizierten Folgen zählen längere Dürreperioden, verheerende Überschwemmungen, stärkere Stürme, eine zunehmende Bodenerosion, das Massenaussterben von Arten und die Ausbreitung neuer Krankheiten. Die paar Menschen, die in den Genuss eines besseren Klimas kommen, könnten das in einer Welt tun müssen, die sie kaum noch wiedererkennen.

Irrtum 8

„Die von den Wissenschaftlern gemessene Erwärmung ist allein eine Folge der in Städten zurückgehaltenen Wärme und hat nichts mit Treibhausgasen zu tun.“

Leute, die es vorziehen, den globalen Klimawandel zu ignorieren, behaupten gerne, die Ergebnisse der Wissenschaftler seien auf den „urbane-Wärmeinsel“-Effekt zurückzuführen. Mit anderen Worten, der Temperaturanstieg sei darauf zurückzuführen, dass die städtischen Regionen mit ihren vielen Gebäuden und Asphaltflächen mehr Wärme speichern. Das ist schlicht falsch. Temperaturen werden dort in der Regel in Parks gemessen und damit in vergleichsweise kühlen Zonen innerhalb der Wärmeinsel. Ausserdem entspricht die langfristige Temperaturzunahme in ländlichen Regionen fast exakt der generellen Entwicklung, in der die ländlichen und städtischen Regionen zusammengefasst sind. Laut den meisten wissenschaftlichen Studien haben „urbane Wärmeinseln“ einen bestenfalls vernachlässigbaren Effekt auf den globalen Temperaturanstieg.

Irrtum 9

„Die Klimaerwärmung ist das Resultat eines grossen Meteoriteneinschlags in Sibirien Anfang des 20. Jahrhunderts.“

Das klingt absurd, doch ein russischer Wissenschaftler vertritt eben diese Hypothese. Was daran nicht stimmt? Im Grunde genommen alles. Wenn ein Meteor gross genug ist, kann sich sein Einschlag, ebenso wie ein grosser Vulkanausbruch, unmittelbar auf das globale Klima auswirken. Aber für die Zeit nach dem Einschlag dieses Meteoriten in Sibirien finden sich in den Klimaaufzeichnungen keinerlei Hinweise auf eine Erwärmung oder Abkühlung. Ausserdem wären die Klimaeffekte hauptsächlich durch den beim Einschlag entstehenden Wasserdampf verursacht worden, und dieser Wasserdampf hält sich bestenfalls ein paar Jahre in der oberen Atmosphäre. Mit anderen Worten, selbst wenn der Einschlag Folgen für das Klima gehabt hätte, wären diese nur kurzfristig und auf keinen Fall noch ein Jahrhundert später zu spüren gewesen.

Irrtum 10

„In manchen Regionen steigen die Temperaturen nicht an, also ist die globale Klimaerwärmung ein Mythos.“

Natürlich stimmt es, dass die Temperaturen nicht überall auf dem Planeten steigen. Michael Crichton lässt in seinem Roman Welt in Angst Wissenschaftler Grafiken herumreichen, auf denen Orte auf der Welt verzeichnet sind, an denen die Temperaturen leicht zurückgegangen oder gleich geblieben sind. Diese Daten sind zwar wissenschaftlich geprüft, aber sie sagen nichts aus. Die globale Klimaerwärmung bezieht sich auf den Anstieg der Oberflächentemperaturen auf der gesamten Erdoberfläche aufgrund der steigenden Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre.

Das globale Klima ist ein unglaublich komplexes System, und der Klimawandel wirkt sich nicht überall gleich aus. Manche Teile der Erde – beispielsweise das nördliche Europa – könnten sogar kälter werden. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen auf der Erde ebenso steigen wie die Wassertemperaturen in den Ozeanen. Der weltweite Anstieg der Temperaturen ist mehrfach und durch mehrere unterschiedliche Messverfahren – einschliesslich Satellitenmessungen – belegt worden. Alle haben mehr oder weniger die gleichen Ergebnisse geliefert.


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